letzte Änderung: 03. April 2016 00:45:25
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Vierundzwanzig Stunden

- oder -
eine kurze Geschichte über Wirkung und Ursache
2008

24 aufeinander folgende Stunden, doch welche ist die erste?
0 Uhr - 1 Uhr:

Da die kleine Anna nicht schlafen konnte, waren auch ihre Eltern wach und wurden so Zeugen des bizarren Spiels, das sich auf der Straße vor ihrem Fenster zutrug. Bei jedem dumpfen Schlag schlossen sie die Augen, um sie erst dann wieder zu öffnen, wenn der nächste bevorstand. Ganz wegsehen wollten sie aber auch nicht.

1 Uhr - 2 Uhr:

Da keiner der beiden Streithähne aufgeben wollte, sie sich jedoch deutlich überschätzt hatten, ging das Duell auch dann noch weiter, als Konzentration und Aufmerksamkeit nicht mehr mit von der Partie waren. So geschah das Unvermeidliche und Peer erwischte statt des Scheites seinen Fuß. Bis die Panik gewichen und ein Notarzt alarmiert war, hatte sich eine breite Lache gebildet.

2 Uhr - 3 Uhr:

Donalds Spaziergang neigte sich seinem Ende zu. Kurz bevor er die Tür zum Seiteneingang aufschließen wollte, fiel im das goldbraune Auto auf der gegenüberliegenden Seite auf. „Das muss ihm gehören“, dachte Donald und konnte seine Wut nicht mehr bändigen. Er durchstach die Reifen und trat gegen die Stoßstange. Erst dann ging der Alarm los.

3 Uhr - 4 Uhr:

Frau Michaelis' neuer Vierbeiner war noch sehr jung und schreckhaft. Trotzdem wollte sie den kleinen Terrier nicht anleinen, da sie seinen traurigen Blick währenddessen nicht ertrug. Sie konnte unmöglich dem letzten Freund Leid antun, der ihr geblieben war. So konnte sie nicht verhindern, dass er beim Aufheulen des Alarms losrannte.

4 Uhr - 5 Uhr:

„Das ist spannender für unsere Leser als der Großbrand im Viehmarkt, interview' die beiden“, brüllte ihr der Chef durchs Handy ins Ohr. Widerspruch war für die Sensationsreporterin des Monats natürlich ein Fremdwort, weswegen sie mit dem Kaffeebecher in der anderen Hand eine 180˚-Wende versuchte. Diese misslang.

5 Uhr - 6 Uhr:

„Steht Ihnen gut“, scherzte Peer auf das Stirnpflaster deutend. „Ihr Fuß ist aber auch …“, wollte die Reporterin kontern, bis ihr auffiel, wen sie vor sich hatte. „Wie stehen sie zu ihrem Leichtsinn?“, fragte sie gekonnt souverän. „Wie Sie zu ihrem!“, entgegnete Peer und hielt ihr grinsend einen Zettel mit seiner Nummer hin.

6 Uhr - 7 Uhr:

Beim Anblick seines Autos blieb Jörg die Luft weg. Er fluchte über ausländische Mitbürger, konnte aber wenigstens einen Freund erreichen, der ihm am Abend ein wieder hergerichtetes Gefährt versprach. Glücklicherweise sah er die Straßenbahn kommen. Er stieg ein, löste einen Fahrschein zum Viehmarkt und erneut hielt er den Atem an.

7 Uhr - 8 Uhr:

„Ich muss leider hier aussteigen“, sprach Jörg mit etwas Wehmut. Aber Maren antwortete mit einem heiterem „Ich auch“. Kaum ausgestiegen stellte Jörg fest, man könne ja zusammen zu Mittag essen, zwinkerte und schob ein „oder auch frühstücken“ hinterher. Als Maren „Oder beides“ antwortete, war sie sich nicht sicher, ob sie Donald erwähnen sollte.

8 Uhr - 9 Uhr:

Im Halbdunkel des Hauseingangs konnte Herbert, der jetzt seit über dreißig Jahren hier Hausmeister war, nicht erkennen, was den Boden so klebrig machte. Wütend über die Unachtsamkeit der Bewohner, die über die Jahre zugenommen hatte, holte er Lappen und Eimer. Beim Wischen wunderte er sich über den Geruch, machte Licht, schrie auf und brach zusammen.

9 Uhr - 10 Uhr:

„Als ich ihn da liegen sah, wusste ich sofort, was zu tun ist“, verkündete Herr Peters stolz vor den beiden Journalisten. Herbert blickte mit einem dankbaren Lächeln zu seinem Retter. „Ihren Namen brauch' ich noch“, bittet die Reporterin, während sie wild ihre Tasche nach dem Notizbuch durchwühlt und einige Zettel dabei zu Boden gehn.

10 Uhr - 11 Uhr:

Ob ihre Mutter nicht aufstehen müsse, wollte Anna wissen. Diese fragte, wie spät es sei und schreckte nach der Antwort hoch. Sie weckte ihren Mann, der den gemeinsamen Chef anrief. Das Tagesgeschäft war nun gelaufen, sodass beide freinehmen und in der nächste Woche länger arbeiten sollten. Anna bettelte nun in den Tierpark gehen zu dürfen.

11 Uhr - 12 Uhr:

Ein leichtes Gefühl der Entspannung nach all dem Stress wollte sich Reporterin einstellen als sie genüsslich ihren Mokka schlürfte. Sie stöberte nach dem Zettel mit Peers Nummer, konnte ihn aber nirgends finden. Stattdessen fand sie die Nummer eines alten Bekannten: „Donald Bach, Rechtsanwalt, spezialisiert auf Verkehrsrecht.“

12 Uhr - 13 Uhr:

„Delikat“, rief Jörg aus, der damit unmöglich das Essen gemeint haben konnte. Maren verstand. „Ich bin mir nicht sicher, ob das mit heut' Abend so eine gute Idee ist.“ Die unausweichliche Frage nach dem Grund folgte, aber Maren wollte Donald nicht erwähnen. Sie verließ Jörg mit dem Versprechen, ihm am Nachmittag mitzuteilen, wie sich sich entschieden habe.

13 Uhr - 14 Uhr:

Über eine halbe Stunde hatten sie angestanden, nur um sich dann von der Kassiererin anraunen zu lassen. „Der darf hier nicht rein“. „Sie ist unsere Tochter und heißt Anna“, beschwerte sich die Mutter. „Den Hund meine ich!“, entgnete die Kassiererin. Anna blickte in die traurigen Augen des kleinen Terriers. In den Tierpark wollte sie nun nicht mehr.

14 Uhr - 15 Uhr:

„Was denkst du, wie stehen meine Chancen?“ „Fassen wir zusammen: Du hast mit dem Handy in der einen und 'nem Kaffeebecher in der anderen gewendet und dabei ein Stoppschild umgeknickt. Was erwartest du?“ „Mit andern Worten: schlecht?“, fragte die Reporterin leicht verschämt. „Schlechter!“, entgegnete Donald mit einem wohlwollenden Lächeln.

15 Uhr - 16 Uhr:

Maren näherte sich der Kanzlei ihres Mannes. Nicht, dass sie nicht von Jörg fasziniert war, dennoch überwogen die Schuldgefühle. Bis zu jenem Moment indem eine schöne, eilig laufende Frau aus der Tür zur Kanzlei schritt. Diese stellte fest, dass ihre Schlüssel fehlten, griff zum Handy und fragte „Donaldchen“ nach ihnen. Marens Entscheidung war gefallen.

16 Uhr - 17 Uhr:

Mit beiden Armen umklammerte Anna den kleinen Hund, der ihr am Tierpark zugelaufen war. Die Eltern hatten derweil schon herumgefragt und Bilder des Hundes aufgehängt. Als Frau Michaelis klingelte, ahnte Anna nichts Gutes. Sie schwor ewig zu schreien, sollte man ihr den Hund wegnehmen. Frau Michaelis war alles sehr peinlich, aber am Ende nahm sie den Hund mit.

17 Uhr - 18 Uhr:

Peer war enttäuscht, weil sich die Frau aus dem Krankenhaus nicht bei ihm gemeldet hatte. Er rief eine Reihe alter Freunde an, doch niemand hatte Zeit. So ging er allein in die Bar an der Ecke. Zu allem Überfluss traf er dort auch noch Herrn Peters den arroganten Nachbar, der zwei Stockwerke über ihm wohnte. „Was soll's“, dachte Peer und setzte sich zu ihm.

18 Uhr - 19 Uhr:

Jörg war mit den letzten Kontrollen bei den Händlern des Viehmarkts beschäftigt, als er einen Anruf von Maren bekam, sie sei gewillt, seine Einladung zum Abendessen anzunehmen. Leider hatte sein Kollege doch keine Zeit die Kontrolle für ihn zu übernehmen. Nun half nur noch ein Wunder …
Zwanzig Minuten später wurde wegen eines Feuers die Martkhalle evakuiert.

19 Uhr - 20 Uhr:

Donald saß in der Kanzlei und suchte nach Gründen, mit denen er den Einspruch der Reporterin gegen Bußgeld und Führerscheinverlust etwas aussichtsreicher gestalten konnte. Es war nahezu aussichtslos. Deshalb rief er seine Frau an und entschuldigte sich dafür, dass er später kommen würde. Sie zeigte sich sehr verständnisvoll.

20 Uhr - 21 Uhr:

In der Auswahl ihrer Abendgarderobe hatte Maren vergessen, dass sie eigentlich noch den Fußweg zu Jörg vor sich hatte. Da ihr Mann eh später kommen wollte, bat sie Jörg, sie abzuholen. Jörg war inzwischen zu Hause angekommen und hatte ein festliches Mahl anliefern lassen, das nun auf seinen Verzehr wartete. Er machte sich auf den Weg zu Maren.

21 Uhr - 22 Uhr:

Das Flammenmeer am Viehmarkt hatte überwältigende Größe angenommen, sodass er nicht mehr nur nach Dung sondern auch nach Skandal roch. Der Chefredakteur der Lokalzeitung wusste sofort, wer die Story darüber zu schreiben hatte. Nachdem die fähigste Reporterin aus dem Schlaf geholt war, sollte sie sich sofort zum Ort des Geschehens begeben.

22 Uhr - 23 Uhr:

Jörg hatte sein Auto von einem Freund holen müssen, sodass er recht spät bei Maren vorfuhr. Während sie etwas ungehalten einstieg, schlenderte Donald die lange Straße entlang. Maren sah ihn bereits kommen und zischte zu Jörg er solle losfahren. Der begriff jedoch nicht, sodass Donald seine Frau auf dem Beifahrersitz gut erkennen konnte. Donald begann einen langen Spaziergang.

23 Uhr - 0 Uhr:

Peer hatte in seinem Frust zu viel getrunken und forderte Herrn Peters zu einem Wettkampf heraus. Herr Peters erinnerte sich an die Äxte in seinem Keller und die dazugehörenden Holzscheite aus der Zeit vor der Zentralheizung. Jeder hatte vierhundert zu spalten und wer dies eher schaffe, der habe gewonnen, stellte Herr Peters klar.

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