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Ich bin Atheist.

Da das gelegentlich ein paar Fragen aufwirft, beantworte ich diese hier:

Was genau bedeutet das?
Zunächst, ganz nach Wortbedeutung, dass ich nicht an die Existenz von Göttern glaube. Dabei verstehe ich unter einem Gott ein Wesen mit zentralen Eigenschaften einer Person (insbesondere Kreativität und Wille), dass die Welt geschaffen hat und/oder beliebig lenkend in sie eingreift. Weiter bedeutet Atheist sein für mich, aber auch, dass es keine Form von Seele o.ä. gibt, die unabhängig von Materie lebt (was auch immer damit gemeint ist). Aspiritualist o.ä. wäre dann wohl der passendere Begriff für mich, darunter könnten sich aber wohl weniger Leute etwas vorstellen.
Dann bist du also Materialist?
Jein. In erster Linie habe ich eine monistische Vorstellung von der Welt, d.h. ich glaube an einen Satz von Grundprinzipien, der alle Erscheinungen konsistent erklären kann (wohlgemerkt nicht, daran, dass ein Mensch oder die Menschheit diese jemals alle kennt und begreift). Ob darin Materie oder Information (bzw. Geist o.ä.) der zentrale Grundbegriff ist, spielt für mich nicht die entscheidende Rolle. Nimmt man Materie als Grundbegriff, so ist mein Weltbild funktionalistisch, d.h. verschiedene Materie kann dieselbe Information (bzw. Prozess, Algorithmus, Seele usw.) beschreiben.
Warum bist du kein Christ (in einem christlichen Land)?
Ohne jemandem zu nahe treten zu wollen: gerade die Idee eines irdischen, menschlichen Sohns Gottes scheint mir besonders unwahrscheinlich. Warum diese eine Tierart unter vielen? Warum dieser eine Planet unter vielen? Dazu kommen die zahlreichen Widersprüche innerhalb des Christentums und mit der „weltlichen“ Geschichtsschreibung. Wie viele andere Religionen besitzt, die christliche Lehre m.E. damit eine gewisse Beliebigkeit bzw. Biegsamkeit. Damit meine ich, dass man leicht Teile der Geschichten abwandeln oder anders auslegen könnte, ohne ein widersprüchlicheres Gesamtwerk zu erhalten. Eine Weltanschauung, mit der ich leben kann, sollte dagegen eher kompakt und widerspruchsfrei sein. Dass ich in einem Land lebe, wo momentan eine Mehrheit Mitglied in einer christlichen Glaubensgemeinschaft ist, ist für diese Sicht ziemlich irrelevant und das ist gut so.
Aber [Element der christlichen Lehre (z.B. Nächstenliebe,eines der 10 Gebote)] muss dir doch einleuchten und dich so überzeugen!?
Viele dieser Elemente kann ich tatsächlich gut nachvollziehen, aber gerade deswegen, weil man sie sehr gut ohne Glauben erklären kann. Damit ergibt sich keine Notwendigkeit ihn anzunehmen. Andere Elemente sind in ihrer Allgemeingültigkeit anzuzweifeln, wogegen ihre Gültigkeit in der Mehrheit der Fälle fast trivial ist. Ein gutes Beispiel ist m.E. das Ehren der Eltern: Eltern die ihre Kinder verwahrlosen lassen, haben diese Ehre nicht verdient (nicht allgemeingültig), die breite Mehrheit aber wendet sich ihrem Kind zu, wie keinem Menschen sonst. Das Achten der Eltern geht in diesem Fall bereits aus einem simplen Reziprozitätsprinzip hervor (eine umfassende Erklärung bezieht dennoch biologische und kulturelle Aspekte mit ein, z.B. den Vorteil einer stabilen Familie für das Individuum und seine Nachkommen).
Aber die kulturellen Errungenschaften musst du doch bewundern? Machen sie nicht unsere (abendländische, europäische) Kultur aus?
Viele der Werke (z.B. Gemälde/Architektur) die für Kirchen entstanden sind, kann ich tatsächlich wertschätzen und bewundern. Letztlich sind sie aber kein direktes Resultat des Glaubens und stammen z.T. sogar von Personen, an deren Glauben wir heute unsere Zweifel haben. Weiterhin hat der umfassende christliche Glauben schlichtweg Kultur von eroberten und „bekehrten“ Völkern umgedeutet und aufgesogen, was sich auch heute noch zeigt. Einige Elemente christlicher Kunst (z.B. den erschlagenden, demütigenden Effekt einiger gotischer Bauwerke) wiederum betrachte ich sehr kritisch, gerade was ihr Menschenbild im Kontrast zu dem einer offenen, demokratischen Gesellschaft angeht.
Was ist denn mit Gemeinschaftsgefühl und Ritualen, die müssen dir doch fehlen?
Ich persönlich habe wenig Bedürfnis an der Art Gemeinschaftsgefühl, wie es klassische Gottedienste (oder „modernere“ religiöse „Happenings“ jeglicher Art) bieten. Auch suche ich nicht nach „dem“ gemeinsamen Weltbild aller Atheisten oder glaube das es so etwas gibt. Stattdessen engagiere ich mich im IBKA(Internationaler Bund der Konfessionslosen und Atheisten - die Mitglieder sind bei Weitem nicht so sperrig wie sein Name) und der AthHG(Atheistische Hochschulgruppe Berlin) ; beide sind eher politisch als moralisch unterwegs. Es gibt aber auch im säkularen Spektrum Vereine und Gruppen für Menschen die Gruppenrituale mögen. Bekannt ist vor allem der Humanistische Verband Deutschlands, der u.a. für alle Lebensabschnitte spezielle Feiern anbietet.
Aber des sozialen Engagements wegen, musst du doch die Kirchen schätzen?
Was z.B. Schulen und Pflege angeht, agieren die großen Kirchen bzw. Caritas und Diakonie lediglich mit öffentlichem Geld und maßen es sich trotzdem an, den Angestellten ihre Ideologie vorzuschreiben.
Warum glaubst du nicht an andere Götter, Wiedergeburt usw.?
Bei anderen Weltreligionen besteht im Prinzip dasselbe Problem wie beim Christentum. Allgemein ist die Frage schwieriger zu beantworten, allein deshalb, weil man das Gottesbild bzw. Götterbild soweit reduzieren kann, dass eine Unterscheidung einer Welt mit und ohne Götter unmöglich wird (Deismus, Pantheismus usw.). Dann ist Atheismus allerdings weiter das einfachste Weltbild. Einen Gott, der die Welt nur geschaffen hat, würde ich zudem auch als Teil des Weltbilds (Modells der Welt) und somit der Welt begreifen. Für einen „Seelentransfer“ (also Wiedergeburt) gibt es keine mich überzeugenden Beobachtungen. Zudem müsste eine Theorie dafür den Verbleib der Seele bzw. den Transfer der Information erklären können.
Ist es nicht gefährlich zu glauben, die Wissenschaft könnte alles (erklären)?
Kurze Antwort: Ja, aber wer glaubt das?
Lange Antwort: Zunächst müssen wir eine Trennung vornehmen in die wissenschaftliche Methodik und die Menge aller (beruflich) Forschenden. Ich setzte auf erstere und bin mir im Klaren, dass nicht alle Menschen aus letzterer immer und überall wissenschaftlich denken. Wie jeder andere Mensch sind sie fehlbar und können (sogar bewusst!) falsche Resultate hervorbringen. Auch die Anwendung wissenschaftlicher Methodik (Versuch, Statistik, Deduktion, falsifizierbare Theorien etc.) bringt keine Garantie auf Wahrheit, aber jede andere Herangehensweise ist noch weit anfälliger. Zusammengefasst: Ich glaube nicht, die Wissenschaft könnte alles erklären, sondern ich denke, dass andere Erklärungen keine Erklärungen sind. Diese Position ist also bescheidener, ich muss vielfach schlicht sagen, ich weiß es nicht. Damit ist sie auch spannender i.d.S., dass eine Unsicherheit bleibt, die wiederum Motor für den Drang ist, neues herauszufinden. Wie soll ich z.B. ernsthaft der Frage nachgehen, wie sich verschiedene Moralsysteme auf eine Gesellschaft auswirken, wenn ich an ein gottgegebenes glaube?
Sind n-tausend Jahre Glauben nicht ein untrügliches Zeichen der Wahrheit?
Zugegeben, das wurde ich so noch nicht gefragt, dieser Klassiker darf aber nicht fehlen:
  1. Zahlreiche, seit der Antike gängige Vorstellungen (z.B. Viersäftelehre, Miasma als Ursache von Erkrankungen, geozentrisches Weltbild) werden heute nicht mehr als wahr angesehen.
  2. Welche der n-tausend Jahre gültigen Wahrheiten ist denn nun wahr?
  3. Ob eine Vorstellung sich durchsetzt, hängt v.a. von ihrer Nützlichkeit für das sie annehmende Individuum ab: Wahrheit ist eine Form dieser Nützlichkeit (erlaubt z.B. korrekte Vorhersagen), aber keineswegs die einzige. Andere sind Zugang zu Gruppen, Überleben, Trost oder auch nur der effiziente Einsatz von geistigen Ressourcen.
Warum sollte ich meinen Glauben aufgeben?
Solltest du gar nicht, falls du damit zufrieden bzw. dadurch erfüllt bist, er dir eine Stütze ist, usw. Wie oben schon beschrieben, gibt es andere Gründe, an etwas zu glauben, als Wahrheit. Anders sieht es auch, wenn andere dir einreden, dass du deinen Glauben (bzw. dann eher: deine Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft) behalten musst, weil dir sonst die Gemeinschaft oder jegliche Moral verloren gehen. Dann solltest du deren Glauben für dich auf den Prüfstand stellen.
Das heißt, jeder hat auf seine Weise Recht?
Nein. Ich hab Recht und toleriere deinen Irrtum (meine Sicht), weil er vielleicht (für dich) nützlich ist und du hast Recht und tolerierst meinen Irrtum (deine Sicht), weil dich dein Glaube (hoffentlich) dazu mahnt. Tut er das nicht, ist es meine Toleranz auch begrenzt.
Was bedeutet das Symbol für diese Rubrik?
Das hat mich zwar noch niemand gefragt, aber prophylaktisch: die Menge aller Götter, Geister und dergleichen, an die ich glaube.
Warum hast du dir nur die Fragen aufgeschrieben, die du leicht beantworten kannst?
Diese Fragen fand ich interessant und hab darüber nachgedacht. Für Vorschläge gibt es den Kommentarkasten.
Feierst du Weihnachten und wenn ja wie?
Bei dieser Frage muss ich schmunzeln und zwar deswegen, weil nur ein kleiner Teil der Kirchenmitglieder in Deutschland so regelmäßig in der Kirche ist, dass es mir wahrscheinlich erscheint, dass sie Weihnachten wirklich als christliches Fest begehen. Zugegeben: Viele der 1/Jahr-Gänger gehen wohl zu Weihnachten, aber für die meisten wird Weihnachten doch wohl das sein, was es für mich auch ist: ein Familienfest (ggf. mit Geschenkeorgie). Ein paar Unterschiede gibt es aber vielleicht schon: bei uns steht keine Krippe, ich nenne alles Weihnachts-X und nicht Christ-X, „die Weihnachtsgeschichte“ assoziiere ich eher mit „A Christmas Carol“ und gesungen wird „Schneeflöckchen“, „Morgen Kinder wird's was geben“ und dergleichen (siehe dazu Vermischtes).

Ich bin Mitglied im IBKA und Teil der Atheistischen Hochschulgruppe Berlin .

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